Die Realisierung einer Photovoltaikanlage auf dem eigenen Dach folgt einem bestimmten Ablauf. Vom ersten Überschlag der Dachfläche bis zur Inbetriebnahme der Anlage vergehen in der Regel mehrere Wochen bis Monate. Wenn die Abfolge der Schritte bekannt ist, können Entscheidungen besser vorbereitet und Verzögerungen vermieden werden.
Erste Orientierung: Dach, Verbrauch und Grobkonzeption
Am Anfang steht die Frage, ob das eigene Gebäude für eine PV-Anlage geeignet ist. Wichtige Kriterien sind Dachausrichtung, Dachneigung, Verschattung und die verfügbare Fläche. Für ein Kilowattpeak Anlagenleistung rechnet man grob mit ca. 5 bis 7 Quadratmetern Dachfläche. Südorientierte Dächer bringen in der Regel die besten Erträge, aber auch Ost-West-Ausrichtungen können wirtschaftlich interessant sein, wenn der Eigenverbrauch gut dazu passt.
Gleichzeitig sollte man einen Blick auf die Stromabrechnungen der letzten Jahre werfen. Der Jahresverbrauch und die Lastverteilung über den Tag geben erste Hinweise darauf, wie groß die Anlage dimensioniert werden sollte, ob sich ein Speicher lohnt und welche Photovoltaik Module in Frage kommen. Auf dieser Grundlage kann dann ein erstes Grobkonzept formuliert werden, das anschließend mit einem Installateur oder Energieberater weiter konkretisiert werden kann.
Fördermittel und Genehmigungen klären
Bevor ein Auftrag erteilt wird, sind Fördermöglichkeiten zu prüfen. Viele Hausbesitzer nutzen zinsgünstige Kredite, Einspeisevergütung und steuerliche Begünstigungen. Teilweise erhalten sie in einzelnen Gemeinden oder Bundesländern zusätzliche Zuschüsse. Wichtig: Die Förderanträge müssen in der Regel vor Beginn der Maßnahme gestellt werden. Wer zuerst die Anlage beauftragt und montieren lässt und erst danach Förderung beantragt, geht oft leer aus.
Parallel läuft die Anmeldung beim Netzbetreiber. Die technische Abstimmung übernimmt in der Regel der ausführende Installationsbetrieb. Dabei kommen die geplante Leistung, die Art des Anschlusses und die Notwendigkeit einer Anpassung des bestehenden Zählerschranks zur Sprache. Für die meisten Einfamilienhausanlagen ist keine Baugenehmigung erforderlich, in empfindlichen Lagen, etwa bei denkmalgeschützten Gebäuden, können aber besondere Vorschriften gelten.
Montage, Anschluss und Inbetriebnahme
Sobald Planung, Zusagen der Förderung und Vertrag stehen, kann es losgehen. An die Arbeit! Zuerst wird die Unterkonstruktion auf dem Dach montiert. Dazu werden Dachhaken oder gleichwertige Halterungen an den Sparren angebracht, darauf werden Montageschienen befestigt, dann die Module eingelegt und verschaltet. Gleichzeitig oder gleich anschließend montiert der Elektriker den Wechselrichter, einen eventuell vorgesehenen Speicher, notwendige Sicherungen und Leitungen zum Hausanschluss.
Nach der Montage erfolgt die elektrische Inbetriebnahme. Der Installateur prüft Isolationswiderstände, Stringspannungen und die Funktion der Schutzeinrichtungen. Der Netzbetreiber tauscht in der Regel den Zähler gegen einen Zwei oder Mehrtarifzähler mit Einspeisefunktion aus. Erst jetzt speist die Anlage offiziell ins Netz ein und der Betreiber darf den erzeugten Strom nutzen.
Schließlich stellt der Fachbetrieb ein Inbetriebnahmeprotokoll aus, eventuell auch eine Dokumentation, in der Schaltpläne, Komponentenlisten und Ertragsprognosen enthalten sind. Diese Unterlagen nützen dann später, etwa bei Servicefällen, bei der Versicherung der Anlage oder beim Verkauf der Immobilie.
Betrieb, Überwachung, Austausch mit der Energieberatung
Die meisten Wechselrichter besitzen ein Online-Monitoring oder Apps, mit denen Tages-, Monats- und Jahreserträge verfolgt werden können. Auf größere Abweichungen zur Prognose (etwa über Nacht plötzliche Ertragseinbrüche) kann man Rückschlüsse auf Fehler in der Anlage oder neue Verschattungen ziehen.
Und natürlich sollte man auch in regelmäßigen Abständen den eigenen Stromverbrauch nicht vergessen. Steigt etwa der Strombedarf durch ein Elektroauto oder eine Wärmepumpe, lässt sich im Haus vorhandener Energieberater prüfen, ob Speicher, Lastverschiebung oder perspektivische Erweiterung sinnvoll sind. So wird die PV-Anlage nicht nur ein einmaliges Projekt, sondern Teil eines Gesamtkonzepts zur Energieversorgung des Hauses.
